Diese Webseite verwendet Cookies, um Ihnen ein angenehmeres Surfen zu ermöglichen. Mehr Infos

Lesung und Vortrag: Tatort Panama – Konquistadoren, Kanalbauer, Steuerflüchtige. 500 Jahre Kolonialisierung und Globalisierung

Veranstaltungsbericht

Die Eroberung und Kolonialisierung Lateinamerikas, insb. durch Spanien, ging einher mit dem Raub von Gold und Silber. Die Edelmetalle kamen in den Wirtschaftskreislauf nach Europa und weit darüber hinaus. Somit wurde ein Prozess der Globalisierung in Gang gesetzt, der alle bislang bestehenden Handelsverflechtungen bis nach Asien hinein übertraf. Dies stellte der Journalist Christian Schmidt-Häuer während einer Abendveranstaltung in der Kieler Hermann Ehlers Akademie (HEA) am Dienstag, 19. Februar 2019 fest.

Er verband Vortrag und Lesung aus seinem kürzlich erschienenen Buch „Tatort Panama – Konquistadoren, Kanalbauer, Steuerflüchtlinge. 500 Jahre Kolonialisierung und Globalisierung“. Das Thema wurde angeregt durch den HEA-Gesprächskreis für Außenpolitik.

Kolonialzeit: Panama als Verkehrsstraße für Silber nach Europa

Der Referent erläuterte die Rolle Panamas kurz nach der Enddeckung durch die Spanier beim mühsamen Durchleiten von Edelmetallexporten auf einem schmalen, gepflasterten Pfad: camino real (Königsweg). Die wertvolle Fracht, per Schiff aus Peru an die Ozeanküste, wurde dann wiederum am Atlantik auf Schiffe verladen Richtung Spanien, das hiermit vor allem seine Kriege und Konsumgüter bei Hofe finanzierte. Spanien war dann schnell verschuldet bei italienischen und deutschen Bankenhäusern.

Panama als US-amerikanische Kolonie und Verbindungsglied zwischen Ost- und Westküste

Wieder war es ein Goldrausch in Kalifornien, der nun 1848 Panama erneut als Transit von der Atlantikküste für fiebernde Goldsucher diente. Er folgte dann bald die Legung einer Eisenbahntrasse durch die Landenge Panama. Das große Projekt war aber der Bau eines Schifffahrtskanals, zuerst durch den Franzosen Ferdinand Lesseps (Erbauer des Suez-Kanals) ab 1881. Nach vielen Opfern unter den Bauarbeitern, vornehmlich aus der Karibik (Malaria) und einem der bedeutendsten Konkurse der Weltgeschichte kam es dann zu einem 1914 erfolgreich abgeschlossenen Bau in Regie der U.S.A, verbunden mit dem Präsidenten Theodore Roosevelt.

Panama heute: Finanzplatz, Urlaubsort und Transportstraße

Es schlossen sich viele Jahrzehnte der transporttechnischen, wirtschaftlichen und militärischen Einvernahme der Kanalzone durch die U.S.A. an, und eine Randexistenz des Staates Panama bzw. großer Teile von deren Bevölkerung außerhalb der Zone. Der Referent verwies auf hoch problematische U.S.-Militäraktionen, wie z.B. die Verwendung einer vorgelagerten Pazifik-Insel zu Chemie-Waffentests. Ab 1999 wurde der Kanal an Panama übergeben. In der jüngsten Zeit siedelte sich enormes ausländisches Kapital an, vorbei an nationalen Steuerbehörden. Durch die sog. „Panama papers“ – die Veröffentlichung der Steuervermeidungsstrategien von einigen Politikern und Wirtschaftsvertretern weltweit – verfestigte sich der zweifelhafte Ruf als Standort für Steuervermeidung.

Der Referent betonte, dass der Kanalbau ein grandioses Ereignis war und räumte ein, dass der Panama-Kanal viele positive Effekte in die dortige Bevölkerung hinein habe. Doch partizipierten zu wenig Bürger daran. In der Fläche Panamas gäbe es weitreichende nicht genutzte Entwicklungspotentiale sowie herrscht grundsätzliche eine unzureichende Gesundheitsversorgung vor.

Nicht zuletzt aus Gründen der Einkommensungleichheit und der Wahrnehmung Panamas als Steuerparadies begründet die Teilnahme von Papst Franziskus am katholischen Weltjugendtag in Panama Ende Januar 2019.

In der Diskussion entwickelte sich gerade darüber eine intensive Debatte. Teilnehmer und Panamareisende der Abendveranstaltung gaben auch positivere Lageeinschätzungen über Regionen außerhalb der Kanalzone und der „Skyline“ von Panama-Stadt.
……………………………………………………………………………………………
Für den Gesprächskreise Außenpolitik: Rainer Wiechert