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Eine "versteckte Kritik der politischen Vernunft". Zu Kants und Arendts Theorie des Urteils

Im August 1957 notiert Hannah Arendt in ihr Denktagebuch: „Anstelle des Wortes Geschmack kann man bei Kant überall Urteilsfähigkeit einsetzen. Dann ist sofort offenbar, dass es sich in der Kritik der Urteilskraft um eine versteckte Kritik der politischen Vernunft handelt.“ Es geht Arendt also darum, die in der dritten „Kritik“ formulierte Beschäftigung mit der reflexiven Struktur bestimmter Urteile, die Kant auch als Problem der „Einstimmigkeit mit Anderen“ erörtert, nicht allein als Frage des ästhetischen Urteils zu begreifen. Sie will das von Kant herausgearbeitete Geschehen vielmehr zumal und sogar primär als Phänomen der politischen Urteilskraft zuordnen. Der Vortrag unternimmt es, diese frühe Intuition von Arendt aufzunehmen und zu zeigen, wie sich der Gedanke bei ihr weiterentwickelt.

Prof. Dr. Dr. Ino Augsberg lehrt Rechtsphilosophie und Öffentliches Recht an der CAU zu Kiel.

Kieler Kant-Gesellschaft: Dr. Roland Daube