Kant über Musik als schöne Kunst

Ist Musik eine „schöne Kunst” oder ist sie nur angenehmer (oder auch unangenehmer) Zeitvertreib? Kant scheint mal für die eine, mal für die andere These zu argumentieren. Auf den ersten Blick erweckt Kants Musikästhetik den Eindruck eines (unzusammenhängenden?) Konglomerats aus der Affektenlehre des 17. und 18. Jahrhunderts einerseits und eines auf das 19. Jahrhundert vorausweisenden Formalismus andererseits. Diese Ambivalenz sollte nicht als Ausdruck einer begrenzten musikalischen oder musikästhetischen Kompetenz Kants heruntergespielt werden.

Aufschlussreicher ist es, Kants Begriff vom musikalischen Kunstwerk im Zusammenhang des um 1800 sich vollziehenden Epochenwandels sowohl im musikästhetischen Denken als auch in der europäischen Musikpraxis zu interpretieren. Dadurch wird auch dessen Relevanz für eine moderne Musikphilosophie deutlich.

Georg Mohr ist geschäftsführender Direktor des Instituts für Philosophie an der Universität Bremen; seine Forschungsschwerpunkte: Praktische Philosophie, Rechtsphilosophie, Moralphilosophie/Ethik, Musikphilosophie, Immanuel Kant, Gustav Mahler.