Grenzmark oder europäisches Brückenland? Schleswig-Holstein und sein Freilichtmuseum zwischen nationaler Abgrenzung und europäischer Verbundenheit

Zur Vorbereitung einer Neuaufstellung untersuchen Wissenschaftler des Seminars für Europäische Ethnologie/Volkskunde
der Universität Kiel die Umstände der Gründung des Freilichtmuseums Molfsee und seine Geschichte. Schon jetzt lässt sich erkennen, dass das Museum in seinen Anfängen und noch lange darüber hinaus stark durch ideologische Haltungen geprägt wurde. So erfolgte seine Gründung nicht zuletzt vor dem Hintergrund des deutsch-dänischen Grenzkonflikts, der noch um 1960 so viel Energie freisetzte, dass das Freilichtmuseum auch zum Zwecke der Sicherung des „heimatlichen Baukunsterbes” vor einem Ausverkauf nach Dänemark errichtet wurde. 53 Jahre nach der Eröffnung des Museums ist es an der Zeit, über eine neue „Erzählung” für Molfsee nachzudenken: Sie könnte Schleswig-Holsteins kulturgeschichtliche Rolle als europäisches Brückenland zum Anknüpfungspunkt nehmen – ein angesichts der Krise des „Europäischen Gedankens” aktueller wie gesellschaftlich relevanter neuer Blick auf alte Häuser.

Dr. Wolfgang Rüther ist Volkskundler und leitet seit 2012 das Freilichtmuseum Molfsee – Landesmuseum für Volkskunde in der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf.